Zwei Kantoren wollen mit ihrem Liedkalender mehr Schwung in die Sing-Kultur der Kirchen bringen. Das Konzept ist einfach: Zwölf Monate, zwölf Lieder. Er soll nun in der gesamten Region Itzehoe verbreitet werden.
Liedkalender1In der Badewanne oder unter der Dusche trällert so mancher gerne vor sich hin – wenn es niemand hört. Aber in der Kirche, wo die ganze versammelte Gemeinde mithört? „Manch einer traut sich nicht mitzusingen“, wissen die beiden evangelischen Kantoren Dörthe Landmesser und Stephan Reinke. Dabei scheine Singen wieder im Trend zu liegen, zumindest in Casting-Shows und anderen Fernsehformaten.
Um auch in den Kirchengemeinden dem Singen mehr Schwung zu geben, haben die beiden Musiker einen Liedkalender herausgebracht. Das Konzept ist einfach: Zwölf Monate, zwölf Lieder. Vom rockigen „Und ein neuer Morgen“, über den Gospel „Du bist heilig“ bis zum klassischen Kirchenlied „Jesus unser Trost und Leben“ sind viele Musikstile vertreten. „Wir haben nicht nur die uralten Schlager aufgenommen“, sagt Dörte Landmesser. Im Gegenteil: Die meisten Melodien sind eher neueren Datums. „Es gibt eine Masse an neuen Kirchenliedern“, sagt die Kantorin, „aber nicht jedes dieser Lieder ist qualitativ wertvoll. Mit dem Kalender wollen wir einen Überblick geben.“
Monatslied TitelblattBeispielhaft für die Verbindung zwischen Tradition und Moderne steht das September-Lied „Verleih uns Frieden gnädiglich“. Die Verse wurden im 16. Jahrhundert von Martin Luther persönlich verfasst. Zusammen mit der vom Reformator ebenfalls selbst komponierten Melodie ist es im evangelischen Gesangbuch abgedruckt. Im Liedkalender ist es dagegen mit einer Melodie von Matthias Nagel zu finden, einem der ersten Pop-Kantoren in Deutschland.
Mit ihrem unregelmäßigen Rhythmus ist die Ballade für Sänger durchaus eine Herausforderung. Aber Stephan Reinke ist überzeugt: „Für die meisten Gemeinden dürfte das kein Problem sein, denn sie sind moderne Lieder und neue Rhythmen bereits gewohnt.“
Jedes Lied im Kalender hat einem Bezug zu dem jeweiligen Monat und erscheint zusammen mit einem Bild und einem meditativen Text. Die Bilder wurden von Gemeindemitgliedern aus der Region Itzehoe gestaltet, die Texte stammen von den Pastoren. Für Gitarrenspieler sind die Lieder allesamt mit Akkorden versehen und auch in einem extra Liedheft erhältlich.
„Der Kalender ist für die Gemeinden ein ideales Weihnachts- oder Neujahrs-Geschenk“, sagen Dörthe Landmesser und Stephan Reinke. Er soll nun in der gesamten Region Itzehoe von der Innenstadtgemeinde bis Lägerdorf, von Kremperheide bis Edendorf verbreitet werden. Beim Einüben des Liedguts setzen die Kantoren auf Multiplikatoren, wie Chöre, Konfirmandengruppen oder Engagierte in den Gemeinden. Am Ende könne das neue musikalische Repertoire Grundlage für einen gemeinsamen Gottesdienst sein.
Der Liedkalender der Region Itzehoe 2014 ist erhältlich in den Kirchengemeinden. Er kostet vier Euro, davon ist die Hälfte eine Spende für die Kirchenmusik in der Region Itzehoe.

Quelle: Michael Althaus, Norddeutsche Rundschau vom 30. November 2013