{"id":364,"date":"2012-01-02T22:55:40","date_gmt":"2012-01-02T21:55:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kirche-itzehoe.de\/isg\/?page_id=364"},"modified":"2012-01-03T15:56:52","modified_gmt":"2012-01-03T14:56:52","slug":"organisten-an-st-laurentii","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.kirche-itzehoe.de\/isg\/musik\/orgeln\/organisten-an-st-laurentii\/","title":{"rendered":"Organisten an St. Laurentii"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.kirche-itzehoe.de\/isg\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/laur_orgel_01.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-486\" title=\"laur_orgel_01\" src=\"http:\/\/www.kirche-itzehoe.de\/isg\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/laur_orgel_01.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"134\" \/><\/a>In der Geschichte der Itzehoer Orgel erscheinen die Str\u00f6mungen des Orgelbaus im norddeutschen Raum wie in einem Brennspiegel zusammengeblendet: kaum einer unter den namhaften Orgelbauern, der sich nicht auch in dieser Kirche hervorgetan h\u00e4tte! Doch die Itzehoer Orgel wurde nicht nur von ihren Erbauern gepr\u00e4gt, sondern ebenso von ihren Spielern: Nur das Zusammenwirken der baulichen Entwicklung und der &#8222;Nutzung&#8220; des Instruments l\u00e4sst dessen Geschichte verst\u00e4ndlich werden.<br \/>\nDie Geschichte der Itzehoer Orgel ist kaum denkbar, ohne auch die Kantoren zu erw\u00e4hnen &#8211; und Thomas Selle war nicht der einzige, der hier musikalisch hervortrat.<\/p>\n<p><strong>1551<\/strong> Erstmals wird ein Organist erw\u00e4hnt. Um wen es sich handelte, wei\u00df man nicht &#8211; und auch \u00fcber die Beschaffenheit der damaligen Orgel ist nichts bekannt.<\/p>\n<p><strong>1562<\/strong> Diese alte Orgel gen\u00fcgte nun nicht mehr ihrem Zweck. Einen Neubau f\u00fchrte Matth\u00e4us (&#8222;Matze&#8220;) Mahn aus Buxtehude aus: nicht also einer der f\u00fchrenden Hamburger Orgelbauer aus der Tradition der Familie Scherer, sondern deren wichtigster, \u00fcberregional arbeitender Konkurrent auf dem s\u00fcdlichen Elbufer. Die Orgel kostete 425 Mark l\u00fcbisch, ein damals mittelhoher Betrag (die Orgel f\u00fcr Apenrade baute Mahn 1594 f\u00fcr 300 Mark, die Scherer-Orgel in Bordesholm kostete fast 1000 Mark).<\/p>\n<p><strong>1562<\/strong> F\u00fcr die neue, gr\u00f6\u00dfere Orgel ben\u00f6tigte man einen neuen Spieler: Eingesetzt wurde Johannes Petri. Weshalb er 1565 nach L\u00fcneburg wechselte (an die Kirche St. Michaelis, in der 135 Jahre sp\u00e4ter Johann Sebastian Bach als Chorsch\u00fcler sang) und schon 1566 wieder nach Itzehoe zur\u00fcckkehrte, erkl\u00e4ren die historischen Dokumente nicht.<\/p>\n<p><strong>1586<\/strong> Der Sohn folgte dem Vater nach: Ludwig (&#8222;L\u00fctke&#8220;) Petersen \u00fcbernahm den Posten. In seine Wirkungszeit fallen die Itzehoer Arbeiten des Orgelbauers Hans Bockelmann, der mit seinem Sohn Christian damals auch die Dithmarscher Orgellandschaft pr\u00e4gte (Brunsb\u00fcttel, Hemme, Marne); m\u00f6glich, dass diese Arbeiten schon wieder einem Neubau gleichkamen. Wie lange Petersen im Amt blieb, ist ungekl\u00e4rt: \u00fcber die Geschichte der Orgel zwischen etwa 1610 und 1630 h\u00fcllen sich die Quellen in Schweigen.<\/p>\n<p><strong>1631<\/strong> Nachdem Wallensteins Truppen in den Steinburger Gebieten gew\u00fctet hatten, war eine gr\u00f6\u00dfere Reparatur der Orgel n\u00f6tig. Sie wurde von Hans Scherer d. J. ausgef\u00fchrt. Erstmals ist also ein Hamburger Orgelbauer in St. Laurentii nachweisbar.<\/p>\n<p><strong>1633<\/strong> Der Organist, dem Scherers Orgelumbau als erstem zugute kam, war Albert Schmidt. Seit wann er in Itzehoe wirkte, wei\u00df man nicht. Nun, 1633, wurde sein Sohn Werner geboren, der sich sp\u00e4ter lateinisch &#8222;Fabricius&#8220; nannte und seine Lebensstellung als Organist an der Leipziger Nikolaikirche fand: Gef\u00f6rdert durch den Leipziger B\u00fcrgermeister Christoph Pincker (Heinrich Sch\u00fctz&#8216; Schwiegersohn), baute Fabricius die Leipziger Organistenszene zu einer norddeutschen Kolonie aus (sein Kollege an der Thomaskirche war u. a. Jacob Weckmann, der Sohn des Hamburger Jacobi-Organisten Matthias Weckmann). Kompositionen Fabricius&#8216; sind erhalten geblieben.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.kirche-itzehoe.de\/isg\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/laur_orgel_02.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-488\" title=\"laur_orgel_02\" src=\"http:\/\/www.kirche-itzehoe.de\/isg\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/laur_orgel_02.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"134\" \/><\/a>1635<\/strong> Albert Schmidt zog nach Flensburg; dort war er zum Organisten an der Nikolaikirche berufen worden. Sein Nachfolger in Itzehoe wurde Nicolaus Harder; zu dessen Hochzeit 1637 hat Thomas Selle, seit 1634 Kantor in Itzehoe, ein virtuoses Hochzeitskonzert geschrieben (&#8222;Der im Anfang den Menschen gemacht hat&#8220;).<\/p>\n<p><strong>1657<\/strong> Im Krieg zwischen D\u00e4nemark und Schweden ging die Kirche in Flammen auf; die Orgel wurde zerst\u00f6rt. Der Organist Nicolaus Harder wurde auf seinem Posten weiter versorgt, auch ohne dass er daf\u00fcr Dienst tat. Drei Jahre sp\u00e4ter wurde die Kirche neu geweiht; jahrzehntelang stand in ihr als Orgel jedoch nur ein Positiv, mit dem der Chor der Itzehoer Schule begleitet wurde.<\/p>\n<p><strong>1685<\/strong> Endlich begannen die Arbeiten an einem Neubau der Orgel &#8211; durch Christian Koch aus Pl\u00f6n. Vier Jahre dauerten sie an, und schon nach zweien nahm ein Organist seinen Dienst auf: Johann Rogge, der bisherige Spieler des Orgelpositivs.<\/p>\n<p><strong>1689<\/strong> Kochs Werk war vollendet: eine besonders gro\u00dfe Orgel (3 Manuale und Pedal, 38 Register), die sich die Itzehoer 2953 Reichstaler kosten lie\u00dfen (das 20-fache des j\u00e4hrlichen Organistengehalts). Doch war Johann Rogge in der Lage, dieses Instrument zu beherrschen? Ein Gutachtergremium wurde eingeladen, dies zu pr\u00fcfen: die Organisten Otto Schmidt aus Rendsburg, Franz Heinrich M\u00fcller aus Gl\u00fcckstadt und Peter Heydorn aus Krempe. Sie erkl\u00e4rten Rogge f\u00fcr unt\u00fcchtig, handelten aber kaum objektiv, denn einer der Gutachter, Peter Heydorn, \u00fcbernahm anschlie\u00dfend selbst den Posten. Zum weiteren Sch\u00fclerkreis des Hamburger Katharinenorganisten Jan Adam Reinken geh\u00f6rig, ist er der erste Itzehoer Organist, von dem sich Werke erhalten haben, unter anderem im Umkreis Johann Sebastian Bachs. Doch schon nach vier Jahren war Heydorns Uhr abgelaufen: Weil er vorehelich ein Kind gezeugt hatte, wurde er nun selbst aus dem Amt gejagt. Sp\u00e4ter fand er in Uetersen eine neue Anstellung.<\/p>\n<p><strong>1693<\/strong> Heydorns Nachfolger wurde Johann Conrad Rosenbusch: In Seebergen bei Gotha geboren (einen Steinwurf von Wechmar entfernt, der Wiege der Bach-Familie), hatte er in Erfurt den Unterricht des ber\u00fchmten Johann Pachelbel genossen. V\u00f6llig unvermittelt trat er nun im Norden auf. Von den zahlreichen Kompositionen Rosenbuschs ist bislang nichts wieder entdeckt worden. In seiner Wirkungszeit kam es zu einem Konflikt mit dem Breitenberger Organisten Johann Kruse: Sie hatten so heftig um Fragen ihrer Kunst gestritten, dass Kruse den Degen zog; Rosenbusch jedoch hatte keinen dabei und wurde verletzt. Ein Zeichen f\u00fcr die Bedeutung des Organistenstandes: Einen Degen trug wahrlich nicht jeder.<\/p>\n<p><strong>1713<\/strong> Die Kirche st\u00fcrzte ein &#8211; bauf\u00e4llig nach den Geschehnissen des 17. Jahrhunderts, wohl nicht zuletzt aber auch unter der Last der gro\u00dfen Orgel. Die Folge: Eine neue, noch teurere Orgel konnte entstehen, eine der gr\u00f6\u00dften weit und breit (3 Manuale und Pedal, 43 Register, darunter ein 32&#8242; im Pedal). 1718 begann Arp Schnitger von Neuenfelde aus mit den Arbeiten; die Fertigstellung erlebte er nicht mehr &#8211; 1719 starb er (seine Witwe musste noch bis 1725 auf die Bezahlung des ihr zustehenden Geldes warten). Das Werk vollendete Schnitgers Sch\u00fcler Lambert Daniel Carstens &#8211; der wenig sp\u00e4ter die d\u00e4nische Orgelkultur pr\u00e4gte. Carstens geh\u00f6rt neben der Gl\u00fcckst\u00e4dter Familie Klapmeyer zu den ersten in der ansehnlichen Reihe von Orgelbauern, die im 18. Jahrhundert das Land Steinburg zu einem Zentrum des Orgelbaus machten.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.kirche-itzehoe.de\/isg\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/laur_orgel_03.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-489\" title=\"laur_orgel_03\" src=\"http:\/\/www.kirche-itzehoe.de\/isg\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/laur_orgel_03.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"134\" \/><\/a>1714<\/strong> Wie drei Jahrzehnte zuvor, wurde vorsorglich der Organistenposten neu besetzt, noch ehe die Orgel fertig war: mit einem Sch\u00fctzling der Kloster\u00e4btissin, dem blinden Johann Martin Nethe. Auch diese Personalentscheidung hatte jedoch nur kurze Zeit Bestand.<\/p>\n<p><strong>1716<\/strong> Noch vor Fertigstellung der Orgel, begann Hinrich Zincks Itzehoer Zeit: Wie Nicolaus Bruhns aus Schwabstedt stammend (geboren 1677), hatte er zun\u00e4chst in der T\u00f6nninger Garnisonskirche gewirkt, die nun verwaiste, und suchte einen neuen Posten. In Itzehoe wurde er nicht gl\u00fccklich: Weil Stadt und Kloster um das Patronatsrecht der Laurentiikirche rangelten, wurde ihm (ebenso wie seinen Vorg\u00e4ngern) das Gehalt jahrelang nicht voll ausbezahlt. Zinck bem\u00fchte sich um eine neue Position; 1720 reiste er nach Hamburg, um am Probespiel um die Organistenstelle an St. Jacobi teilzunehmen. Er erhielt den Posten nicht &#8211; ebenso wie Johann Sebastian Bach, der auch unter den Bewerbern war (aber nicht am Vorspiel teilnahm). Erst 1723 gl\u00fcckte Zincks Wunsch nach einem Ortswechsel: Er zog nach Wilster. Dort entstand seine einzige erhaltene Komposition, 1758 im Husumer Orgelbuch seines Neffen Bendix Friedrich Zinck \u00fcberliefert.<\/p>\n<p><strong>1723<\/strong> Zincks Weggang bereitete mehr M\u00fche, als zuvor erwartet werden konnte. Nicht nur, dass die Patronatsrechtsfragen jederzeit wieder aktuell werden konnten; vielmehr starb der Kandidat, auf den die Wahl zun\u00e4chst gefallen war, noch ehe er seinen Dienst antreten konnte: Hinrich Friedrich Scheel. Vieles h\u00e4tte gepasst: Auch Vater und Onkel waren Organisten (in Garding und Lunden), m\u00fctterlicherseits hatte er Verbindungen in die Elbmarschen (nach Wilster), und offenkundig war er zudem Sch\u00fcler Zincks, dessen Nachfolge er nun antreten sollte&#8230; Die Gemeinde musste sich erneut auf die Suche machen.<\/p>\n<p><strong>1724<\/strong> Nun \u00fcbernahm Paul Bruhns den Dienst, aus Kiel kommend. 1697 war er in Husum geboren worden &#8211; als Sohn von Georg Bruhns, der dort eben zuvor die Nachfolge seines Bruders Nicolaus angetreten hatte.<\/p>\n<p><strong>1734<\/strong> In Paul Bruhns&#8216; Dienstzeit f\u00e4llt eine erste umfangreichere Reparatur der Schnitger-Orgel; der ganz junge Orgelbauer Johann Dietrich Busch, der kurz zuvor erfolgreich in Flensburg (St. Marien) und in Schleswig (Dom) gearbeitet hatte, erhielt den Auftrag. Die Itzehoer Arbeiten gaben den Ansto\u00df dazu, dass Busch sich dort sogar dauerhaft niederlie\u00df. Damit erreichte die Orgelbaukultur im heutigen Kreis Steinburg eine neue Etappe: Sp\u00e4ter f\u00fchrte Buschs Sohn Johann Daniel den Betrieb fort; daneben wirkte Johann Matth\u00e4us Schreiber in Gl\u00fcckstadt und J\u00fcrgen Andreas Mittelh\u00e4user in Wilster.<\/p>\n<p><strong>1766<\/strong> Die Nachfolge Bruhns&#8216; trat Johann Rudolph Schreiber an. 1728 geboren, stammte auch er aus einer Organistenfamilie: Sein Vater Johann Schreiber hatte den Posten in Hademarschen inne. Zu Schreibers Itzehoer Dienstantritt richtete der Orgelbauer Johann Daniel Busch (der den v\u00e4terlichen Betrieb \u00fcbernommen hatte) das Instrument neu ein. Schreiber verf\u00fcgte offenkundig \u00fcber weitr\u00e4umige Beziehungen, wie sich &#8222;auf privater Ebene&#8220; zeigt: Nach Itzehoe begleitete ihn seine Frau Friederica Louisa geb. Weilrath, Tochter des k\u00f6niglich d\u00e4nischen Schlossverwalters in Nyk\u00f8bing\/Falster; schon bald nach der Ankunft in Itzehoe starb sie im Wochenbett. Schreibers zweite Frau war Elisabeth Catharina Gangeloff, Tochter des Per\u00fcckenmachers aus Preetz, die 1786, nach 18 Ehejahren, an Schwindsucht starb. Catharina Benedicta Elisabeth Viether, Tochter eines Viehh\u00e4ndlers in Uetersen (der, am alten &#8222;Ochsenweg&#8220; t\u00e4tig, einem \u00fcberaus krisensicheren Beruf nachging), \u00fcberlebte ihren Mann; noch w\u00e4hrend des &#8222;Trauerjahres&#8220; heiratete sie, mit k\u00f6niglichem Dispens ausgestattet, seinen Nachfolger. Ob sich in den genannten Ortsnamen auch ein weiteres k\u00fcnstlerisches Wirken spiegelt, ist nicht erkennbar.<\/p>\n<p><strong>1799<\/strong> Friedrich Gerhard Christian Thombsen, der neue Organist, war Itzehoer; bei seiner Taufe 1759 hatten h\u00f6chste regionale W\u00fcrdentr\u00e4ger f\u00fcr ihn, den Sohn des Steinburger Amtsverwalters, die Patenschaft \u00fcbernommen: der k\u00f6nigliche Statthalter, Markgraf Friedrich Ernst von Brandenburg-Culmbach sowie der holsteinische Kanzler und der Steinburger Amtmann. Thombsen (der sp\u00e4ter den Vornamen Christian favorisierte) hatte zweifellos den Unterricht seines Vorg\u00e4ngers genossen; damit wurde eine Itzehoer Traditionskette begr\u00fcndet, die bis zu Alexander Kern (1946-1973) reichte. Zum 1. April 1821 bat er darum, von seinen \u00c4mtern zur\u00fccktreten zu d\u00fcrfen; er starb am 9. Oktober 1824.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.kirche-itzehoe.de\/isg\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/laur_orgel_04.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-491\" title=\"laur_orgel_04\" src=\"http:\/\/www.kirche-itzehoe.de\/isg\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/laur_orgel_04.jpg\" alt=\"\" width=\"134\" height=\"200\" \/><\/a>1825<\/strong> Die Nachfolge Thombsens \u00fcbernahm dessen vorheriger Stellvertreter: (Johann) Wilhelm Apel. Geburts- und Sterbedatum sind nicht zu ermitteln, eine Verwandtschaft mit dem gleichzeitigen Kieler Nikolaiorganisten Georg Christian Apel (Verfasser des Schleswig-Holsteinischen Choralbuches von 1833) ist nicht nachzuweisen. Schon vor seinem Dienstantritt wirkte Apel in Itzehoe: als &#8222;Gesanglehrer&#8220; an der Stadtschule.<\/p>\n<p><strong>1830<\/strong> Erstmals wurde die Orgel durch Marcussen &amp; Reuter aus Apenrade umgestaltet; jeweils im Abstand einer Generation (1863, 1896), ohne erkennbaren Zusammenhang zu den Berufungen neuer Spieler, f\u00fchrte die mittlerweile ber\u00fchmte Orgelbaufirma ihre Arbeiten fort.<\/p>\n<p><strong>1840<\/strong> Apel war ernstlich krank; er musste sich auf die Suche nach einem Stellvertreter machen &#8211; und fand ihn in dem Itzehoer Musiklehrer Heinrich Breyde, der in Wilster ausgebildet worden war. Breydes Interessen spiegeln sich in einer Sammelhandschrift mit Werken des jungen Orgelstars Alfred Hesse aus Breslau (1809-1863) und anderen Kompositionen; sie weisen ihn als einen Meister in der Beherrschung der M\u00f6glichkeiten aus, die Arp Schnitger einst mit der Itzehoer Orgel geschaffen hatte. Doch wenn Breyde sich Hoffnungen auf Apels Nachfolge machte, wurden sie j\u00e4h zunichte gemacht: Der Laurentii-K\u00fcster Leschen erschwerte ihm die Arbeit, indem er beispielsweise eine Registerkoppel ausbaute und so die Spielm\u00f6glichkeiten massiv einengte.<br \/>\n1843 Am 15. November schreibt Carl Leschen: &#8222;Die Nachricht von dem Hinscheiden des Herrn Organisten Apel, meines geliebten Lehrers im Orgelspiel, hat mich innig betr\u00fcbt&#8220;; offenkundig war dieser kurz zuvor gestorben &#8211; wo, wei\u00df man nicht. Nun bewarb sich Leschen &#8222;als einer seiner wenigen Sch\u00fcler&#8220; um Apels Nachfolge. Er stammte aus Itzehoe (geboren am 6. Juli 1808), hatte bei Apels langj\u00e4hrigem Stellvertreter Breyde das Klavierspiel gelernt und war der Laurentiikirche von Kindesbeinen an eng verbunden: Sein Vater Heinrich Christian Leschen wirkte an ihr als K\u00fcster, zudem als Schullehrer, und jahrelang hatte ihn die Sorge umgetrieben, nicht sein Sohn, sondern Breyde werde die Stelle erhalten. Carl (Johann Heinrich) Leschen wurde nun der erste &#8222;Seminarorganist&#8220; in Itzehoe: Er hatte das Lehrerseminar in Tondern (T\u00f8nder) absolviert. Anders als f\u00fcr viele seiner Ausbildungskameraden bedeutete dies f\u00fcr ihn aber kein Schmalspurmusiker-Dasein: Sein Lehrer und Vorg\u00e4nger Apel bescheinigte ihm ausdr\u00fccklich: &#8222;Au\u00dfer seiner nicht gew\u00f6hnlichen Fertigkeit im Orgelspiele, wie auch in der obligaten Behandlung des Pedals, hat er sich besonders auch das Kirchliche in seinem Spiele anzueignen gewu\u00dft.&#8220; Leschen komponierte gro\u00df angelegte Vokalfeiern zu den Synodalfeiern; auch Orgelkompositionen sind von ihm \u00fcberliefert. Sein musikalisches Engagement spiegelt sich in einer umfangreichen Notensammlung, die er hinterlie\u00df: mit einem Spektrum, das von Orgelmusik \u00fcber Streichquartette bis zu M\u00e4nnerchor-Noten reicht. Nach dem deutsch-d\u00e4nischen Krieg 1864 verwandelte sich dieses musikalische Engagement jedoch in eine nebenamtliche T\u00e4tigkeit: Leschen wurde von seiner Lehrerausbildung &#8222;eingeholt&#8220; und an der M\u00e4dchenschule besch\u00e4ftigt &#8211; eine Aufgabe, von der er sich aber 1884 wieder pensionieren lie\u00df. So \u00fcbergab er seinem Nachfolger die Stelle wieder so, wie er sie angetreten hatte: als musikalisches Hauptamt. Leschen starb am 10. September 1900.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.kirche-itzehoe.de\/isg\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/laur_orgel_05.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-492 alignleft\" title=\"laur_orgel_05\" src=\"http:\/\/www.kirche-itzehoe.de\/isg\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/laur_orgel_05.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"150\" \/><\/a>1899<\/strong> Leschen, mittlerweile \u00fcber 90-j\u00e4hrig, war von seinem Amt zur\u00fcckgetreten; an der Auswahl seines Nachfolgers Ernst Dibbern war er dennoch beteiligt. Dibbern, geboren am 13. Februar 1866 in Mielkendorf bei Kiel, war Sch\u00fcler Leschens, hatte am Hamburger Konservatorium studiert und daraufhin bereits als Stellvertreter seines Lehrers gewirkt. Dennoch galt er zun\u00e4chst nur als Ersatzkandidat; das Feld derjenigen, die in Betracht gezogen wurden, verkleinerte sich jedoch durch Indiskretion, so dass endlich Dibbern doch in Betracht kam &#8211; und schlie\u00dflich die &#8222;Itzehoer Orgeltradition&#8220; noch weiter gef\u00fchrt wurde. Dibbern war einer der Initiatoren des Itzehoer Musikvereins, der unter seiner Leitung daraufhin zahlreiche gro\u00dfe Chorwerke auff\u00fchrte. Noch \u00fcber seine Pensionierung (1935) hinaus blieb er im Itzehoer Musikleben aktiv, etwa als Chormitglied; Dibbern starb am 30.08.1953.<\/p>\n<p><strong>1905<\/strong> Nach 185 Jahren erschien die Schnitger-Orgel, die im Lauf der Jahre manche Ver\u00e4nderung \u00fcber sich ergehen lassen musste, nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df; sie wurde durch einen Neubau ersetzt, den Wilhelm Sauer, Frankfurt (Oder), durchf\u00fchrte. Dennoch wollte man sich vom vertrauten Anblick der Orgel nicht trennen; so blieb vom Bestand Schnitgers immerhin der Prospekt erhalten (sogar als w\u00e4hrend des Ersten Weltkrieges in vielen Orten Prospektpfeifen eingesammelt, eingeschmolzen und ihr Zinn der Waffenindustrie als Rohstoff zugef\u00fchrt wurden, blieb Itzehoe verschont!). Das Instrument fiel &#8211; mit 41 Registern &#8211; geringf\u00fcgig kleiner aus als sein Vorg\u00e4nger.<\/p>\n<p><strong>1935<\/strong> Dibbern, 68 Jahre alt, musste sein Amt r\u00e4umen: Die mittlerweile straffer formulierte Pensionsgrenze von 65 Jahren hatte er l\u00e4ngst \u00fcberschritten. Als Nachfolger wurde Alfred Seefluth eingesetzt. Er stammte aus Kiel (geboren 28. November 1892) und kam aus Berlin-Buch nach Itzehoe. Sein Amt versah er nur bis 1940, als er (erst 47 Jahre alt und ohne ausdr\u00fcckliche Begr\u00fcndung) in den vorzeitigen Ruhestand versetzt wurde. Als Nachfolger wurde Kurt Rienecker (T\u00f6nning, sp\u00e4ter Husum) ins Auge gefasst; zu einer Berufung kam es nie.<\/p>\n<p><strong>1940<\/strong> Der Organistenposten stand w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges somit verwaist da. Die Itzehoer Musiklehrerin Elisabeth Bauer (zeitweilig auch ihr Mann Waldemar) \u00fcbernahmen interimistisch den Dienst.<\/p>\n<p><strong>1946<\/strong> Mit Alexander Kern wurde ein weiterer Musiker der Itzehoer &#8222;Organistentradition&#8220; an die Laurentiiorgel berufen. Am 6. Januar 1911 in Itzehoe geboren, kannte er sie schon lange; schon mit 12 Jahren hatte er an ihr erstmals seinen Lehrer Dibbern vertreten. Nach einem Kirchenmusikstudium am Johannesstift in Berlin-Spandau (bei Gerhardt Schwarz und besonders bei Ernst Pepping und Hugo Distler) war er als Organist nach Lauenburg\/Pommern gezogen, wo ihn die Einberufung zum Kriegsdienst erreicht hatte. In den ersten Itzehoer Dienstjahren teilte Kern sich den Itzehoer Posten mit Margot Scherz aus Neuruppin, die dann jedoch nach S\u00fcdafrika emigrierte. Kern hat sich mit zahlreichen Kompositionen hervorgetan, unter anderem &#8222;Ewig steht fest der Kirche Haus&#8220; zur Wiedereinweihung der umgestalteten Kirche 1962. Nach seiner Pensionierung wirkte er in Bad Salzuflen und zog dann nach Cadenberge.<\/p>\n<p><strong>1973<\/strong> Hartmut Bethke, gro\u00df geworden mit den Kl\u00e4ngen der traditionsreichen Antonius-Wilde-Orgel in W\u00f6hrden (S\u00fcderdithmarschen), trat nach seinem Studium in L\u00fcbeck die Itzehoer Stelle an. Ein besonders festlicher Anlass ergab sich 2000, als Arp Schnitgers Prospektpfeifen (nach fast einem Jahrhundert!) wieder f\u00fcr das Musizieren des Organisten klingend gemacht wurden.<\/p>\n<p><em>Text bis hier: Prof. Dr. Konrad K\u00fcster, Universit\u00e4t Freiburg (konrad.kuester@muwi.uni-freiburg.de), nach Quellen des Landesarchivs Schleswig-Holstein, Schleswig (besonders Abt. 123 Nr. 3187), sowie des Stadtarchivs und der St. Laurentiikirche Itzehoe.<\/em><\/p>\n<p><strong>2011<\/strong> D\u00f6rthe Landmesser \u00fcbernimmt das Kantoren- und Organistenamt an St. Laurentii.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Geschichte der Itzehoer Orgel erscheinen die Str\u00f6mungen des Orgelbaus im norddeutschen Raum wie in einem Brennspiegel zusammengeblendet: kaum einer unter den namhaften Orgelbauern, der sich nicht auch in dieser Kirche hervorgetan h\u00e4tte! 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